Quelle:  http://fonds-missbrauch.de/?69

Welche Leistungen bietet mir der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich?

Der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich ermöglicht verschiedene Leistungen, die die Leistungen des gesetzlichen und sozialrechtlichen Systems ergänzen. Für diese sogenannten "Sachleistungen" stehen pro Person maximal 10.000 Euro zur Verfügung. Besteht ein erhöhter Leistungsbedarf aufgrund von Schwerbehinderung, kann zusätzlich ein Mehrbedarf von bis zu 5.000 Euro bewilligt werden. Beim Vorliegen einer Schwerbehinderung erfolgt keine automatische Anhebung des Sachleistungsbetrages von 10.000 € auf 15.000 € pro Person. Der behinderungsbedingte Mehraufwand kann nur dann gewährt werden, wenn eine Antragstellerin/ein Antragsteller eine Leistung aufgrund ihrer/seiner Behinderung sonst nicht wahrnehmen könnte.

Bis zu dieser Höchstgrenze können folgende Hilfen, auch nebeneinander, gewährt werden:

  1. Psychotherapeutische Hilfen:

    • Fortführung einer Psychotherapie nach Beendigung der Finanzierung durch die Krankenversicherung
    • Vor- beziehungsweise Überbrückungsfinanzierung zu Beginn einer Psychotherapie,
    • Kostenübernahme für Psychotherapien, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden,
    • Kostenübernahme für anerkannte Komplementär- und Fachtherapien (unter anderem Bewegungs-, Musik-, Ergo-, Kunst- und Tiertherapien).

  2. Übernahme von angemessenen Kosten zur individuellen Aufarbeitung des Erlebten, zum Beispiel angemessene Kosten, die im Zusammenhang mit Fahrten zum Ort des Geschehens, zu therapeutischen Sitzungen und zu Beratungsstellen anfallen, oder Kosten, die im Zusammenhang mit der Nutzung von Angeboten von Selbsthilfeorganisationen anfallen.
  3. Hilfe bei der Beschaffung von Heil- und Hilfsmitteln, zum Beispiel Physiotherapie, Ergotherapie, Bäder, Massagen, Logopädie (medizinische Dienstleistungen) und Rollstühle, Prothesen, Hörgeräte (sächliche medizinische Leistungen).
  4. Unterstützung beim Umgang mit Behörden oder Gerichten, wie zum Beispiel begleitende Assistenz oder individuelle Unterstützung, sofern die Kosten nicht durch andere Stellen abgedeckt werden.
  5. Unterstützung von Weiterbildungs- und Qualifikationsmaßnahmen, zum Beispiel Kostenübernahme für das Nachholen von Schulabschlüssen, Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums oder Umschulungen.
  6. Sofern ein besonderer Härtefall im Sinne der „Leitlinien für die Gewährung von Leistungen aus dem Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich" vorliegt, kann ausnahmsweise auch eine nicht zu den regulären Leistungen gehörende Unterstützung gewährt werden. Dazu gehört u.a. Unterstützung zur Verbesserung der Mobilität oder der Wohnsituation. Demgegenüber ist das Vorliegen einer sozialen Notlage allein für die Annahme eines Härtefalls nicht ausreichend. 
  7. Wichtig ist, dass im Antrag deutlich wird, inwieweit ein Zusammenhang zwischen der gewünschten Leistung und dem erlittenen sexuellen Missbrauch besteht und inwiefern die gewünschte Leistung geeignet ist, um die Folgebeeinträchtigung des sexuellen Missbrauchs zumindest zu lindern. Zudem sind konkretere Angaben zu den gewünschten Hilfen, zum Beispiel die Nennung der Art der gewünschten Hilfe, der Anbieter/die Anbieterin, die Kosten und der Umfang erforderlich.

 

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